Basti Kördel | GER 220

Fahrbericht

Lorch Thunderbird 75


Nachdem ich 2007 schon den Lorch Thunderbird 85 ausgiebig testen konnte und dieser mir bei Leichtwind Slalombedingungen sehr viel Spaß gemacht hat, wurde mir doch auch recht schnell klar, dass ich mit knapp 75 Kg Körpergewicht und 10 qm Segelfläche bei internationalen Rennen keine Chance auf die vorderen Plätze hatte. Ich bin einfach noch zu leicht, 10 Kg mehr und die Sache würde anders aussehen. Sehr deutlich konnte ich das bei Vergleichsfahrten mit meinem Lorch-Teampartner Florian feststellen. Durch sein höheres Körpergewicht konnte er das Geschwindigkeitspotenzial wesentlich weiter ausloten und aus dem TB 85 noch ein paar entscheidende Knoten mehr herausholen. Für mich gab es deshalb nur eine Alternative bei den Lorch Slalomrennern: der Thunderbird 75 !
Schon beim Auspacken und Montieren der Schlaufen fiel mir das, im Verhältnis zu anderen Slalomrennern dieser Größen- ordnung, sehr breite Heck auf. Dem folgt eine relativ kurze, gerade verlaufende Gleitfläche, die wiederum sehr homogen in den sanft ansteigenden vorderen Bereich des Board's übergeht.
Anfangs hatte ich Bedenken wegen dieser Scoop Rocker Linie und dass die Nase zu flach geraten ist, aber um mit den Worten von Günter zu sprechen: So ist es genau richtig!

Und irgendwie passt dieses Board vom Aussehen sehr gut in die Racelinie der großen Schwestern Formula und TB 85.
Hinzu kam auch hier wieder eine Hurricane-Finne von Ottmar zum Einsatz. Die Speedslalom in 43 cm Länge und mittlerer Härte sorgt für sagenhafte Beschleunigung und beruhigende Kontrolle im Rennen bei Achter- oder Downwindkursen. Für schwerere Surfer oder Leute die gern Höhe laufen sollte es dann eine eher allroundigere Finne mit etwas mehr Länge sein, sonst hat man ab und zu mal einen Spinout wobei das Board durch sein breites Heck eines der besten beim Höhelaufen unter den Mitbewerbern ist. Wenn der Wind während der Rennen gedreht hatte genoss ich dann den zusätzlichen Vorteil von Günters eingebauter Höhe am Wind.

Das Board braucht fast nicht angepumpt zu werden, läuft flach und schön frei. Dieser Shape kommt durch das breite Heck sehr meinem Formulafahrstil entgegen. Auch hier montierte ich die Schlaufen hinten ganz hinten und vorn ganz vorne. Bei meiner Körpergröße von 193 cm macht mir der dadurch etwas breitere Stand, die Kontrolle im Grenzbereich leichter. Gott sei dank hat sich Günter auch hier bei der Planung des Boards mit zwei Schraubenplugs pro Schlaufenende durchsetzen können. Die 200 Gramm Mehrgewicht nehme ich für eine verdrehfreie und feste Kraftübertragung gerne in Kauf. Wer hier wirklich noch einmal Gewicht einsparen möchte kommt an den Kowalski Rennschlaufen mit einer Ersparnis von nass zusammen ca. 600 Gramm nicht vorbei. Natürlich sind diese beim Barfußfahren dann nicht so bequem wie die Originalen aber mit Schuhen ist das für mich die richtige Wahl bei den Rennen. Im Übrigen ist die Schlaufenposition so angebracht, dass bei Schuhgröße 45/46 die Ferse nicht durch das Wasser gezogen wird, Schmerzen im Fußgewölbe gehören, aufgrund der ergonomischen Wölbung im Bereich der Fußpads, der Vergangenheit an. Eben genau richtig!

Zur Mastspurposition ist folgendes zu sagen:

Nicht zu weit vorne! Besonders bei bauchig ausgelegten Segeln nicht vor der Mitte fahren. 2,5 bis 3 der Skala ist ein guter Anfangswert mit dem man zentimeterweise arbeiten kann. Bei Überpower beruhigt weiter fahren!
Die Mastspur braucht nicht nach vorne verstellt zu werden, weil das Board ja keine Tendenz zum Abheben zeigt. Man wird einfach nur immer schneller.

Natürlich darf keiner Wunder erwarten. Der Physik sind , wie für alles auf unserem Planeten, auch hier Grenzen gesetzt, aber ich würde nicht mehr zu einem älteren Shape zurückgreifen, dafür macht das Board zu viel Spaß.

Für wen ist dieses Board gedacht? Für alle die gerne problemlos schnell fahren wollen und die bei lauter Downwindheizen ganz vergessen haben, dass es ja gegen den Wind zum Ausgangspunkt wieder zurückgehen muss. Höhelaufen nach dem Speedgenuss ist wirklich kein Problem und lässt Surfer auf anderen Boards ganz erstaunt herüberschauen bevor sie dann im Abwind resigniert wegwenden. Besonders beim Umstieg vom Freerideboard ist die Wirkung auf den Fahrer enorm, weil hier ähnlich wie beim TB 85 ohne Angst richtig schnell gefahren werden kann.
Tja, und dann ist es natürlich für den Racer gedacht, der damit Rennen fahren möchte. Nicht falsch verstehen, es handelt sich beim TB 75 nicht um eine schwer beherrschbare Rennzicke - ganz im Gegenteil! Man kann damit Racejibes um die Tonne zirkeln, dass einem von den Fliehkräften ganz mulmig in der Magengegend wird oder wenn der kurze Weg um die Tonne schon dicht ist, gleitet man eben ganz easy im weiten Bogen außen herum und verliert so durch die sehr guten Durchgleiteigenschaften ganz bestimmt keine Plätze. Verschnitten habe ich dieses Board noch nie. Auch mit der manchmal etwas unangenehmen Gardaseewelle vor der Felswand Richtung Riva war das Slalomracen für mich kein Problem. Den Gabelbaum etwas höher fahren und dann ohne Kontrollverlust über die Wellenköpfe brettern. Mit 9 qm NeilPryde RS:Racing bis 22 Knoten Wind, ich sage Euch, - so schnell bin ich bisher noch nie von der Startlinie weggeflogen. Die Beschleunigung bis zur Höchstgeschwindigkeit ist wirklich fantastisch.

Mir fällt es schwer meiner Freude Ausdruck zu verleihen, vor allen Dingen weil ich ja bisher immer lieber mit dem Formula Rennen gefahren bin. Bei richtigem Druck im Segel hat Slalom für mich mit dem TB 75 einen ganz neuen Stellenwert bekommen. Ich kann sogar sagen, dass mit diesem Shape der Einstieg für Slalomrennen sehr leicht gemacht wird. --- Natürlich bin ich Lorch Teamrider - aber das ist die Kombination (Board, Segel, Finne) mit dem die Rennen auf dem Gardasee im Juli 2008 bei der Jugend-WM richtig gut gelaufen sind, mehr müsste man über dieses Slalomboard eigentlich nicht erzählen.

Und wisst Ihr, was das tollste für 2009 ist? Neulich habe ich bei Günter in die Werkstatt gespickt und da lag schon wieder ein neuer Slalomrenner. Die Neue kleinere Schwester von der TB 75, noch ganz nackt und weiss, aber die Kurven sagten mir ein einziges Wort: Speed! Ich bin ja gespannt was sich Günter wieder hat einfallen lassen.