Basti Kördel | GER 220

Fahrbericht

Lorch Thunderbird 85


Zum Eurocup 2007 und 30. Marathon zog es uns Anfang August an den Silvaplanasee in die Schweiz. Endlich Formularennen bis zum Abwinken oder einfach nur bis zur totalen Erschöpfung! Die Vorfreude war groß, doch der Wind kam aus der falschen Richtung und so schickte uns die Regattaleitung zum Funslalom bei Nordwind auf den See. Na ja, besser als nur im Fahrerlager rumsitzen, dachten wir uns und bauten unsere Segel auf. Florian 9 und ich 10 qm.

Und Günter – zu unserem Erstaunen, schob unsere Thunderbird 130 beiseite und gab uns zwei neue Thunderbird 85 mit 85 cm Breite. Den Prototypen, den ich schon von der Entstehung in Radolfzell her kannte und das erste Serienboard mit der Nummer 01. „Die müsst ihr fahren, Jungs“ sprach er und setzte dabei sein wichtigstes Gesicht auf.

Mein Trimmer schlug die Hände über dem Kopf zusammen und redete etwas von „noch nicht eingeschossen und noch keine Trimmpunkte“, aber wenn der Meister etwas sagt, dann zieht uns das immer wieder in seinen Bann und so bereiteten wir uns auf den Start vor.

Bei drei bis fünf Windstärken wurden zwei fullfleet Starts (ca. 70 Teilnehmer) angeschossen und zu meinem Erstaunen gleiteten die Thunderbirds 85 extrem früh an. Unsere Gegner starteten teilweise mit Formulas, kamen auch nicht besser weg und konnten nicht den Topspeed fahren wie wir. Bei halben Wind merkte ich, wie frei das Board über das Wasser flog, ohne Probleme einfach dicht halten und auf die Tonne peilen, dort eine laydownjibe, als ob Günter den perfekten Radius um die Tonne in das Board eingebaut hätte und dabei absolutes Durchgleiten – Mensch ging das gut! Die anderen Slalomboards blieben meistens kurz an der Tonne stehen, die meisten Formulas sowieso.

Wir fuhren weiter, ganz entspannt, ohne zu schauen wurden die Fußschlaufen getroffen – perfekt positioniert – auch bei Schuhgröße 46 keine Ferse im Wasser. Mit Doppelplugs an den Schlaufenenden – rein und fest – nie verdreht. Das sollen 140 Liter Volumen sein? Fühlt sich beim Gleiten eher wie 120 Liter an! Die entstehende Kabbelwelle führte bei mir sonst immer zu Unbehagen, aber jetzt kam es mir so vor, als ob ich immer nur von Wellenspitze zu Wellenspitze das Wasser leicht berührte, fast kein unangenehmes Schlagen und das mit 85 cm Breite. Viele waren hinter uns und als wir so easy dahin glitten, erwischte uns ein größeres Windloch. Unter Land war scheinbar doch der bessere Weg – einige überliefen uns bis wir dann mit Wind endlich die nächsten beiden Tonnen runden konnten (wie auf einem Funcarving Ski). Und immer wieder machten wir an der Tonne Plätze gut. - Warum man zu diesem Durcheinander Funslalom sagt, weiss ich bis heute nicht. :-) (alle Brettklassen zusammen und extrem anstrengende Windverhältnisse)

Beim zweiten Lauf wurde der Wind unangenehm böig, teilweise bis zu sechs Windstärken. Nach verpatztem Start in der Abdeckung vieler Anderer rauschten die Böen dann an und schlugen kräftig bei mir ein, aber auch hier keine Probleme. Nebenan stiegen die Formulas zickig mit der Nase in den Himmel und wir fuhren einfach ohne Kontrollprobleme immer schneller weiter. Florian mit seinem 9 er Segel noch einen Tick schneller als ich mit meinem 10 er. Seine kürzere Finne war sicher die bessere Wahl. Die Boardnase schön flach, unglaublich ruhig und 55 km/h nach GPS ohne Angst – ich konnte nicht glauben wie entspannt wir so schnell fahren konnten. Bei Raumkurs mit meinem Formula ist zurzeit im Rennen bei 50 km/h Schluss, aber das ist mit dem 11 er dann wie Rodeoreiten.

Am Ende lagen die Platzierungen irgendwo im ersten Viertel – Siegerehrung gab`s keine, aber mir hat der 85er so Spaß gemacht, dass ich nach dem Funslalom weiter meine Bahnen auf dem Silvaplanasee bis in die Dämmerung gezogen habe. Mit einer kürzeren Finne von Günter („probiere mal die!“ – wieder ganz wichtiges Gesicht) – Hurricane 47 cm - war ich dann noch etwas schneller (leider ohne GPS, aber dafür mit Gefühl). Die 55er Finne war selbst mit 10 er Segel viel zu groß. Jedenfalls mit meinen 75 Kg. Für einen sehr guten Winkel am Wind bei richtigem Speed ist das Leitwerk von Ottmar die beste Wahl, zumal wir auch in den Angleitphasen keine Spinouts hatten. Die Mastspur fuhr ich zwischen 2,5 und 3 (Brettmarkierung), also fast mittig. Hier ist durch Feintrimm und Anpassung an die Segelgrößen sicher noch etwas Speed herauszuholen. Die Fußschlaufen fuhr ich vorne ganz vorne und hinten ganz hinten. Bei meiner Körpergröße von 193 cm stehe ich gerne etwas breiter.

Unserem Shaper ist mit dem Thunderbird 85 ein wirklich unglaublich gutes Leichtwindslalomboard gelungen. Wie schafft er das nur immer wieder die Fahrleistungen so zu verbessern?
Und Florian...? Wenn ich sein breites Grinsen richtig deutete war auch er von dem neuen Shape vollkommen überzeugt. Seine Äußerungen gingen von genial, super klasse über einfach stark bis perfekt.

Für mich ist der Thunderbird 85 wie ein „Mini Formula“, nur eben ohne die Starallüren. Mit Spaß einfach und schnell zu fahren – vielleicht deshalb genau das Richtige nicht nur für einen Funslalom.


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