Corsica 2008
Das Video findet ihr hier.
Tag 1
Abfahrtstag! Am Morgen ist dank einer Expresszulieferung mein neues NeilPryde RS:Racing in 7.2qm plus X9 Mast noch rechtzeitig angekommen. Endlich bin ich auch für Starkwindslalom perfekt ausgerüstet. Ich hatte bei den letzten Regatten auf nicht ganz so viel Wind gehofft. Ist schon ein mulmiges Gefühl mit keinem Segel kleiner als 9 qm zu einem Rennen zu fahren...Na ja, ist jetzt ja vorbei.Es geht nach Corsica! :-) Weißer Sandstrand, türkisfarbenes, klares Wasser, super Surfspots, hoffentlich auch super Wind und die ganze Family plus Niko mit dabei.
Da nimmt man gerne den ganzen Pack-Stress auf sich, obwohl der in letzter Zeit auch immer größer geworden ist. Irgendwann fing es mal mit einem Brett und zwei Riggs auf dem Autodach einer Limousine an. In der Zwischenzeit fahren wir mit Material im Surfanhänger, in und auf dem Bus. Sieben Bretter (ich betone: nur Formula und Slalom)und 10 komplette Riggs. Man kann sich sicherlich vorstellen, was es für ein Akt ist, bis alles richtig verpackt ist.
Niko und ich fuhren also mit dem ganzen Geraffel gegen 23 Uhr von Aach aus Richtung Süden.
Tag 2
Die Fahrt verlief sehr ruhig. Keine Probleme und kaum Verkehr. Die einzige Schwierigkeit war unser unmenschlich großes Verlangen nach Schlaf.Wir waren beide gegen 6 Uhr morgens aufgestanden um in die Schule bzw. in die Uni zu gehen und waren dementsprechend mit fortschreitender Uhrzeit total am Ende. Anhalten und Schlafen war aber auch nicht drin, weil wir wussten, dass unsere Fähre um 8 Uhr in Savona ablegen würde. Zum Glück bin ich im Moment nur Beifahrer, zumindest noch dieses Jahr. Eigentlich sollte ich ja den Niko wach halten. Das lief die ersten zwei Stunden auch super, doch dann bin ich immer stundenweise eingeschlafen und hab in meinen kurzen aber regelmäßigen Wachphasen den Niko nur gefragt, wo wir denn wären. An dieser Stelle mal ein großes Lob an Niko, wenn einer immer und überall und vor allem ewig lange Autofahren kann, dann er.
Einziger Zwischenfall war in Chiasso am Zoll. Wir kamen in eine vom Zöllner in Italo-englisch so genannte "Dog-control". Er scheuchte seinen riesigen Drogenhund einmal komplett durch Bus und Anhänger. Wir hatten natürlich keine Drogen dabei!
Frühstück auf der Fähre, dann 4 Stunden Schlaf und den Rest der Strecke auf der Insel zurückgelegt.
Meine letzte Beschäftigung des Tages bestand im provisorischen Bau der Helm-Kamera für Filmaufnahmen am nächsten Tag.
Tag 3
Heute, erster Surftag in der Bucht von Santa Manza. Geschätzte 1.5 Meter swell und am Strand gemessene 20 Knoten im Mittel und 24 Knoten in der Spitze. Dank dieser Fakten war die Materialwahl kein Thema mehr. NeilPryde RS:Racing in 9 qm und das Lorch Thunderbird 75 in Verbindung mit einer 43er Speed/Slalom Finne von Hurricane Fins...Ich konnte es kaum erwarten endlich bei Sonne aufs Wasser zu kommen. Der Niko machte sich mit ungefähr gleich großen Material fertig und wir schossen gemeinsam über die Bucht. Leider lief es ihm nicht so gut. Temporäres Formtief....möchte ich mal behaupten. Deswegen wurde er gegen Nachmittag auch von meinem Dad abgelöst, der seit langem wieder am Surfen war.Mit ihm bin ich dann ca. 6 Kilometer auf die andere Seite der Bucht, an einen einsamen Strand gefahren, dort ein bisschen gechillt und dann alles wieder zurück gespeeded. Außerdem habe ich heute zum ersten mal die provisorische Helmkamera benutzt. Musste höllisch aufpassen, da sie ja nicht nass werden durfte. Es kam aber echt gutes Filmmaterial dabei raus, welches aber noch verarbeitet werden muss.
Zum Glück ist Niko am Abend noch mal raus. Ganz alleine...ich glaube das hat viel gebracht, er hat seine Form wieder gefunden und wir können morgen wieder wie gewohnt zusammen trainieren.
Jetzt noch ein Wort zum Material: Es ist einfach nur der reine Wahnsinn. Das Brett fliegt super frei und mit mega Speed übers Wasser. Das Segel bleibt absolut druckpunktstabil und zieht wie ein Bulle in die richtige Richtung. Keine Spinouts und ein super Finnengefühl. Einfach nur Fahrspaß!
Tag 4)
Gähn.....kein Wind, keine Sonne und nichts zu tun. Naja en bissel ums Material gekümmert und auf der Insel herumgetingelt. Immer zur nächsten Bucht gefahren und geschaut ob es Wind hat. Wir wussten zwar, dass es eigentlich keinen Sinn hatte aber laut allgemeiner Surfphilosophie stirbt ja die Hoffnung zuletzt :-)Nachdem wir dann die halbe Insel befahren hatten, starb sie dann aber doch und wir machten uns auf den Heimweg. Dafür gab es aber am Abend einen Haufen gutes Fleisch vom Grill!!! Ich muss ja schwer werden fürs Racing :-) Ach ja... Laufen war ich dann noch, mit meiner Schwester, um die ja überschüssige Energie loszuwerden. Schön am Strand entlang.
Tag 5
Heute, geiler Surftag. Ich wachte morgens bei strömendem Regen auf und der hielt auch bis wir gegen Mittag am Surfspot ankamen. Es regnete wirklich monsunartig, zwei Minuten im freien gegen den Wind gestemmt und man war komplett nass. Der Wind betrug Übrigens an Land gemessene 24 Knoten im Durchschnitt und 27 Knoten in der Spitze. Mir war es so was von egal was für Wetter war. Endlich konnte ich mein neues NeilPryde RS:Racing in 7.2 qm fahren. Niko und ich bauten so enthusiastisch auf, dass wir nicht bemerkten, wie der Wind sich langsam verabschiedete. Als wir dann endlich fertig am Wasser standen, hatten wir nur noch geschätzte 15 Knoten.....egal......trotzdem raus! Es ging eigentlich. Ich hatte zwar nicht full power, aber ab und zu ließ sich das Potenzial des Segels erahnen.Niko hatte heute seine erste echte Haibegegnung. Er kam aber trotzdem ziemlich cool vom Wasser. Seine Worte: "Schon ziemlich krass einen zu sehen, aber es ändert ja nichts. Wir wussten schon immer, dass in der Bucht Haie schwimmen." Naja...wo er Recht hat, da hat er recht. Außerdem heute wieder super Filmaufnahmen mit Helmkamera.
Formula rocks!!!
Tag 6
Stimmt...Formula rocks!!! Auch bei 20 Knoten und 1.5-2 Meter swell :-) Die durchschnittliche Segelgröße der restlichen Surfer betrug ungefähr 6 qm. Niko und ich waren bei bewölktem Himmel aber ohne Regen mit unseren 11er Segeln und den "Donnervögeln" von Lorch draußen full power am heizen. Hammermäßiges High-Wind-Formula-Training! Hat glaub ich echt viel gebracht. Nach dem fünften ewig langen Downwind-Schenkel freut sich dann auch der Oberschenkel. Vor allem wenn man die letzten Tage am Surfen war. Irgendwann wurde es dann aber doch zu viel Wind und ich riggte auf kleines Slalomzeug um. NeilPryde RS:Racing 7.2 qm und Thunderbird 65 von Lorch. Mittlerweile war so viel Wind, dass der Großteil der übrigen Surfer mit ihren 6qm Segeln an Land standen und mit Staunen auf die vor Schaumkronen weiße Bucht blickten. Mit dem Slalomzeug lief es echt super. Ich sag nur eins: Kurz und heftig. Full Power......ich hab gedacht ich muss schreien! Das Segel hatte super viel Druck, lag dabei absolut ruhig und unter meinem Brett wurde das Wasser pulverisiert. Kurz bevor der Wind dann zusammenbrach, weil die Gewitterwolke schon vorüber gezogen war, bin ich dann - ebenfalls full Power - über irgend ein Treibgut gefahren. Hat anständig geknallt und die gute Hurricane hat jetzt ne Macke :-( Das Treibgut war heute sowieso brutal. Überall Müll im Wasser. Bestimmt allein 500 Plastiktüten in der Bucht. Grausam! Wie in einem Minenfeld! Nach dem Regen, der ungefähr eine Stunde Pause für uns bedeutete, gingen Niko und ich nochmals mit dem Formularenner aufs Wasser. Gelungener Abschluss des Tages. Dann im strömenden Regen abgebaut und nach Hause.Tag 7
Strahlender Sonnenschein, warm und generell einfach gutes Wetter. Fensterscheiben runter und nicht wie die letzten Tage immer die Heizung dazu an. Da kommt endlich mal das bekannte Korsika-Gefühl auf. Einziger Fehler....kein Wind! Wenn ich's mir recht überlege sind mir monsunartige Regenfälle in Verbindung mit gut Druck im Segel lieber als die derzeitige Wetterlage. Naja...Niko und ich hatten trotzdem unseren Spaß. Trip nach Ballistra Plage. Circa ne halbe Stunde Autofahrt über abenteuerliche Feldwege, die ins Nichts zu führen scheinen. Dank der ergiebigen Regenfälle der letzten Tage waren die Wege total ausgewaschen und mit riesigen knietiefen Pfützen übersät. Es kamen aber glaub ich ganz lustige und vor allem verwertbare Aufnahmen dabei heraus. Ansonsten war heute nicht allzu viel los. Die französischen Wettervorhersagen versprechen aber in den nächsten Tagen Besserung.Tag 8
Jaja....Besserung! Heute auf jeden Fall nicht. Nur Sonne. Gegen Mittag gab es dann aber in der schönsten Bucht der Insel, Santa Ghulia, doch ein kleines bisschen Thermik. Die Bucht ist eigentlich der Hammer. Türkisfarbenes Wasser und weißer Sandstrand. Nur zum Formula fahren ein bisschen klein und viele Felsen im Wasser, was aber gerade den Charme der Bucht ausmacht. Manko ist aber, dass man sein Material vom Parkplatz bis ans Wasser bestimmt 250 Meter tragen muss und zum Aufbauen und Zwischenlagern des Riggs leider keinen Schatten hat. Nachdem wir also diese Tortur hinter uns hatten ging es aufs Wasser. Ich ein bisschen früher als der Niko wegen effektiverer Aufbauweise :-P Der Wind wurde aber immer schwächer und so war das Surfen gerade noch ein gutes Muskel- und Ausdauertraining, hatte aber kaum etwas mit Spaß zu tun. Ewiges Anpumpen und dann sehr unentspannte Gleitfahrt. Nach einer viertel Stunde war der Wind dann ganz eingeschlafen, ich total aus der Puste und der Niko stand nun mit endlich fertig aufgeriggtem Material am Strand. Er hat es dann vergeblicherweise doch noch versucht. Kam ziemlich desillusioniert wieder rein. Den Rest vom Tag habe ich dann am Strand verbracht. War auch mal ganz lustig. So das Leben eines Normal-Touries :-)Tag 9
24 Knoten + 9.0 qm NeilPryde RS:Racing = Full POWER!!!War richtig gut heute. Bei uns am Haus hatte es eigentlich kaum Wind, doch ein paar Kilometer weiter im Süden der Insel war perfektes Slalomwetter. Finnen testen war angesagt. Die Leitwerke von Hurricane Fins laufen zwar alle echt super, aber wenn man die Möglichkeit hat, dann probiert man doch gerne mal aus.
![]() | Auf jeden Fall hab ich jetzt alles optimiert. Speed Slalom in 43 cm passt perfekt zum 9er Segel, zumindest auf Salzwasser. Ich war ja von Santa Manza gewöhnt, dass viel Treibholz in der Bucht schwimmt, jedoch gesellten sich heute noch, ich sag mal, mittelgroße Schildkröten dazu. Sie waren so groß, dass bei einem Volltreffer, garantiert alles kaputt wäre. Ich hab heute zweimal fast eine erwischt. Zum Glück schwammen beide gut sichtbar und direkt an der Wasseroberfläche. Wir sind bis halb acht abends noch auf dem Wasser gewesen und nun beide, Niko und ich, rechtschaffen müde. Morgen soll es noch ein bisschen mehr Wind geben. Time for the 7.2 RS:Racing. Hoffentlich! |
Tag 10
Stimmt! Heute mit 7.2 qm RS:Racing trainiert. Die gesamte Insel war voller Gewitter und das gab natürlich relativ viel Druck. Am Vormittag war es dann aber doch zeitweise ein bisschen wenig, gegen Nachmittag fing es an zu regnen und damit verschwand auch der Wind. Niko und ich wollten es aber irgendwie nicht wahr haben und warteten......und warteten.....und warteten...So um sechs Uhr starb dann unsere Hoffnung. Wir bewegten uns auf unsere Segel zu und fingen an die Gabeln abzumontieren. Als wir dann die Gabeln in der Hand hielten, drehte der nun plötzlich aufkommende Wind unsere Segel um. Wir blickten aufs Wasser und der Horizont war weiß vor Schaumkronen.....Grins....:-) Schnell die Gabeln wieder dran und nochmal eineinhalb Stunden ohne Pause auf dem Wasser herum geschossen. Richtig viel Druck und richtig viel Spaß.
Der Lorch Thunderbird 65 ist echt Hammer. Wenn der Trimm passt, glaubt man zwischen den Wellen gar nicht, dass man 110 Liter unter den Füßen hat. Sehr agil und geschmeidig in der Welle.
Tag 11
Heute war Spaßsurfen angesagt. Knapp unter 30 Knoten, kaum Welle und strahlender Sonnenschein. Von morgens bis abends auf dem Wasser in Santa Ghulia. Haben die Bucht echt fätt gerockt! :-) Selbst der Surfschulenbesitzer hatte keine Chance.Einziges Problem sind seit Kurzem unsere Hände. Nach so viel Beanspruchung stehen diese kurz vor dem Zerreißen und das merkt man auch. Naja...Morgen geht's schon wieder.
Tag 12
KEIN WIND NUR REGEN!!!!!! ICH DREH DURCH!!!!!Tag 13
Jaja... 13... Meine Lieblingszahl :-)Super Trainingstag. Südwest Wind, dass hieß für uns entweder Flachwasser easy surfing an der Ostküste oder aber Slalom in der Welle an der Westküste. Da wir unseren Flachwassertag schon hinter uns hatten war die Entscheidung eine leichte. Außerdem hab ich in der Welle eher noch Defizite und ein bisschen Training nötig.
In La Tonnara hatten wir ungefähr drei Meter Welle, 23 Knoten und sehr viel Wasser...vor allem von oben. Aber egal, man ist ja nicht aus Zucker.
Besonders beeindruckt war ich heute vom 7.2 NeilPryde RS:Racing. Es schien wie extra für solche Bedingungen geschaffen. Ich konnte mich bei dem extremen Kreuzgewell vollkommen auf die Brettsteuerung und den Speed konzentrieren. Das Segel lag ohne Zicken, ruhig und absolut stabil in der Hand. Zudem hatte es in jeder Lebenslage genug Druck.
Die Prognosen geben für die nächsten Tage ähnliche Bedingungen an. Vielleicht werde ich ja doch mal ein richtig guter Slalomfahrer :-)
Tag 14)
Gleicher Spot, viel besseres Wetter, vergleichbare Wellen aber auch weniger Wind als gestern. Bei anfangs 15-17 später dann bei knappen 20 Knoten war hardcore Formulafahren angesagt. Ich fühlte mich auf dem Wasser wie 2007, auf Sylt, bei der Deutschen Meisterschaft. Super viel Kreuzgewell....aber gutes Training.Tag 15
Nach zwei Tagen mit Welle war jetzt mal wieder Flachwasser heizen in Santa Manza dran. Ablandiger Wind. Großes Slalomzeug aufgebaut und so nah wie möglich unter Land die Kiste fliegen lassen. Mega Speed ohne Stress...war richtig entspannend. Schade, dass wir kein GPS zur Geschwindigkeitsmessung hatten :-) Wäre der richtige Tag dafür gewesen.Tag 16
Am Morgen ist meine Schwester inklusive Familie abgereist. Irgendwie ist das Haus jetzt ziemlich leer....Morgen fahren wir auch ab.Ich fühle mich langsam wie ein "Windchaser". Niko und ich sind heute die halbe Insel auf der Suche nach Wind abgefahren. Nach 5 Stunden abwechselnder Autofahrt und Windmessung am Strand rief mein Dad an und berichtete uns von 15 Knoten am Homespot Santa Giulia. Die Bucht ist ironischer Weise nur 5 Minuten vom Haus entfernt. Das Blöde war nur, dass wir in der Zwischenzeit so weit an der Küste vorgedrungen waren, dass der Rückweg mindestens eineinhalb Stunden in Anspruch nahm.
Gegen 17.15 Uhr stand ich dann mit Formula Material in der schönsten Bucht der Insel auf dem Wasser. Niko hat gefilmt und ich hatte meinen Spaß.
Das Video findet ihr hier.
[up]

